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H.A. Willberg
Unwort Sünde
Betrachtungen zum Neuverständnis
Rezensionen
„Sünde“, das ist für mich ein schier unverzichtbarer Begriff.
Zugleich ist es ein Wort, das
einen so tiefgreifenden Bedeutungswandel durchgemacht hat, dass es – wiederum: für mich –
schier unbrauchbar geworden ist. [...] Ich greife deshalb mit großem Interesse nach dem
anzuzeigenden Buch, und ich werde nicht enttäuscht. Zunächst macht Willberg die derzeitige
Verniedlichung des Sündenbegriffs verständlich als Reaktion auf eine Missbrauchsgeschichte,
die Begriffe wie Sünde, Reue, Buße... „in den Sklavendienst der Erziehung zu einer durch Angst
erzeugten Autoritätsergebenheit genommen“ hat (11f.). Und dann legt er einige Texte der Bibel,
„die viel über Sünde und Vergebung sagen“, so aus, „dass Sünde ein bisschen besser als das
verstanden werden kann, was sie wirklich ist: Nicht Unmoral, sondern das Gegenteil von Liebe
und Vertrauen“ (14), als „Beziehungsstörung“ (15). Die Kernsymptome der Sünde sind deshalb
Misstrauen, Lieblosigkeit und Entmutigung, moralisch unpassendes und unangepasstes Verhalten
dagegen ein Nebensymptom, das auch fehlen kann. Folgerichtig betrachtet Willberg zunächst die
biblische Geschichte vom Sündenfall und seinen Folgen als eine Abfolge von Beziehungsbrüchen. [...]
„Gegen Gott sündigen heisst [...] nicht Fehler machen, sondern es heisst: Nicht glauben, ihm
nicht vertrauen. Und nicht vertrauen und glauben ist nicht Schande, sondern Not. Unser aller Not!“
(73) Und [...] folgert daraus, dass das Lastentragen dem Gesetz Christi entsprechend auf
Gegenseitigkeit beruht: „Nur dann bin ich dafür legitimiert, mich dem anderen helfend
zuzuwenden, wenn ich auch zu meiner eigenen Hilfsbedürftigkeit stehe.“ (67) Was das heisst,
entfaltet Willberg zuletzt in seiner Besinnung auf die Geschichte von der Ehebrecherin, die
zu Jesus gebracht wird (Joh 8, 1-11) – eine Perle seelsorglicher Schriftauslegung, die ich
zur Lektüre (und ggf. auch zur Predigtvorbereitung) nur empfehlen kann!
Auszug der Rezension von Dr. phil. Reinhard Scheerer, April 2011
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Website Dr. Scheerer |
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